Reiner Engelmann: Stell Dir Vor, Es Wäre Frieden

Wir befinden uns im Jahr 2023. Seit über einem Jahr leben wir mit einem Krieg mitten auf unserem Kontinent- einen Angriffskrieg auf die Ukraine, ausgelöst durch Russland. Wir haben uns an diesen Zustand gewöhnt. Aber was wäre, wenn der Krieg endlich vorbei wäre? Wenn es nie wieder Kämpfe auf der Welt geben würde? Mit „Stell dir vor, es wäre Frieden“ ist Reiner Engelmann eine solche Imagination gelungen. Mich hat das Buch zutiefst berührt!

 

Klappentext: „Die Invasion der Ukraine kam wie ein Schock. Plötzlich war Krieg mitten in Europa – für viele unvorstellbar! Dabei hat es in der Menschheitsgeschichte kaum eine Zeit gegeben, in der auf der Welt kein Krieg herrschte. Weltfrieden bleibt eine Wunschvorstellung. Doch wie wäre das, wenn Frieden wäre? Zwanzig Autor*innen haben ihren Wunsch nach Frieden in diesem Buch zusammengetragen. In Kurzgeschichten, Gedichten und Tatsachenberichten teilen sie ihre Gedanken, Wünsche, Träume – und ganz reale Erfahrungen – zum Thema Frieden.“

Das Buch ist mehr als eine Sammlung von Schrifstücken rund um das Thema Krieg und Frieden. Die Autor:innen tragen für mich jeder für sich einen Teil zum Buich dabei. Die Kurzgeschichten haben mich sehr bewegt, aber vor allem waren es die Tatsachenberichte, die mir heftigst unter die Haut gingen. Ich lebe, wie wir alle, seit Februar 2022, mit diesem Wahnsinn mitten in Europa. Manchmal würde ich schreien, toben: Warum? Warum ist ein solcher Krieg in dieser Zeit noch möglich? Warum gibt es keinen Frieden auf der Welt? Warum müssen wir Menschen uns aufs Brutalste kämpfen? Wie kann es sein, dass eine Großmacht wie Russland einfach so in ein Land einmarschieren kann? Wir haben 2023…

Und trotzdem gibt mir das Buch ein positives Gefühl. Natürlich habe ich mich damit intensiv mit Kriegen befasst, mit ihrer Natur und der Gewalt, die sie auslösen, Millionen Tote, Millionen Unschuldige. Aber ich habe auch einen Einblick bekommen in eine Welt ohne Krieg, voller Frieden. Die Autor:innen haben mich zutiefst bewegt mit jedem Kapitel, jedem Teil des Buches. Wa swäre, wenn endlich Frieden herrschen würde? Es ist leider imaginär und illusionär. Wir Menschen werden immer andere terrorisieren. Aber der Gedanke, dass es vielleicht doch mal so sein könnte (schwer vorstellbar), ist tröstlich und es tat gut, dieses Gefühl zu empfinden.

Für mich ein absolut wertvolles Buch! Ich kann es nur sehr empfehlen, sich dieses Werk mal zu Gemüte zu führen. Es gibt großartige Impulse.

4,5/5

Georg Cadeggianini: Das Wirklich Witzige Witzebuch

Heute habe ich mal ein etwas anderes Buch als Empfehlung für euch! Mit „Das wirklich witzige Witzbuch“ von Georg Cadeggianini ist dem Autoren eine großartige Sammlung von Kalauern, Flachwitzen und gut pointierten Gags gelungen.

Er vereint in seinem Buch 400 Kinderwitze, bei denen kein Auge trocken bleibt. Alleine das Cover macht schon Spaß und glaubt mir, dieses Witzebuch eignet sich nicht nur für Kinder! Auch ich hatte großen Spaß bei der Lektüre und habe im Freundeskreis bereits den einen oder anderen Witz zum Besten gegeben.

Ich liebe dieses Buch! Es ist ein echter Aufmunterer und es beinhaltet noch einiges mehr: Kritzelrätsel, Daumenkino und andere tolle Gimmicks. Als Kind habe ich Witzebücher schon sehr geliebt, dieses eignet sich auch perfekt für uns Erwachsene.

Klasse! 5/5 *

Lia Louis: Unser Lied Für Immer

Von Autorin Lia Louis habe ich schon einen anderen Roman gelesen und war wirklich begeistert. Die Geschichten der Autorin sind gefühlvoll, mitreissend und etwas besonderes. Mit „Unser Lied für immer“ ist am 11.05.23 ihr neues Werk erschienen. Ich durfte ihn als Rezensionsexemplar lesen und möchte euch heute davon berichten.

Klappentext: „Für Natalie ist Musik mehr als nur eine schöne Melodie. Zweimal die Woche spielt die 32-jährige an einem belebten Londoner Bahnhofsklavier – nur für sich und für ihren verstorbenen Mann. Denn seit seinem Tod vor zwei Jahren, ist dies die einzige Zeit, in der sie vergisst, wie einsam sie sich fühlt. Als Natalie eines Tages im Deckel des Klavierstuhls Notenblätter findet, traut sie kaum ihren Augen: Es sind genau die Lieder, die sie nur für ihren Mann gespielt hat und die nur er kennen kann. Hat er geheime Botschaften für sie verstecken lassen oder ist alles nur ein großer Zufall? Oder hält das Schicksal viel mehr für sie bereit, als sie ahnt?“

Das Cover ist wirklich wunderschön! Es glänzt in tollen Farben und gibt dem ganzen Buch einen sehr wertigen Eindruck. Das gefällt mir schon mal richtig gut. Aber kommen wir zum Plot selbst…

Natalie gefällt mir als Protagonistin so so gut. Sie ist sehr musikalisch, emotional und ich fühle mich irgendwie mit ihr verbunden. Sie trauert verzweifelt um ihren verstorbenenen Ehemann, der ihre roße Liebe war. Und sie geht auf ihre Art mit dieser Trauer um. Sie spielt im Bahnhof an einem Klavier, um die Gefühle besser überstehen zu können. Gefühle wie Unverständnis, Einsamkeit und Ratlosigkeit- all das, was Trauer in uns an Emotionen hervorruft. Irgendwann findet Natalie im Stuhl des Klaviers Noten und sie ist verwirrt. Genau diese Lieder haben sie mit ihrem geliebten Mann verbunden, sie haben die Beiden miteinander verbunden. Und wie im Klappentext bereits erwähnt: ist das Zufall oder Magie? Schicksal oder nur irgendeine Wendung des Lebens?

Das Buch hat mich mehrmals zum Weinen gebracht. Ich kann die Trauer von Natalie so gut nachfühlen. Sie ist eine gefühlvolle Protagonistin, die Trost in der Musik sucht- und findet. Die immer wieder zu ihrem Mann zurück kehrt, indem sie die gemeinsamen Songs am Klavier spielt. Die ihren Weg gefunden hat, mit der Trauer zu leben, aber die sich nicht aufgibt. Und das ist der Punkt! Man darf auch in Trauer nicht aufgeben, sondern muss sein Leben neu ausrichten. Dies tut Natalie durch eine schicksalhafte Fügung (mehr oder weniger). Sie bekommt einen neuen Sinn im Leben an ihre Seite gestellt.

Die Autorin hat es mit ihrem dritten Roman einmal mehr geschafft, mein Herz zu erreichen und ja, ich hatte oft Gänsehaut. Eine wundervolle Geschichte über eine trauernde junge Frau, die das Liebste auf der Welt verloren hat und einen Weg findet, damit umzugehen, einen neuen Lebenssinn zu finden. Der Schreibstil ist sehr einfühlsam, emotional und er reisst mich mit. Das Buch lässt sich somit fliessend und angenehm lesen, der Plot ist verständlich und beeindruckt mit viel Gefühl.

Kurz gesagt: 4,5/5 * vergebe ich mit bestem Gewissen. So toll!

 

Mara Andeck: Sisi. Die Sterne Der Kaiserin

Seit meiner Kindheit fasziniert mich die Geschichte rund um Kaiserin Elisabeth, kurz genannt „Sis“, sehr. Natürlich liebe ich die weltbekannten Filme mit Romy Schneider und Karl-Heinz Böhm. Doch haben die Drehbücher kaum was mit dem wahren Leben der Kaiserin zu tun. Umso mehr verschlingen ich Dokumenationen und Filme zu ihrem Leben. Da gibt es einiges. Aber mit „Sisi. Die Sterne der Kaiserin“ habe ich einen Roman gefunden, der nicht nur von Sisi handelt- sondern auch von einer besonderen Freundschaft. Und dieser Roman war ein großes Lesevergnügen.

Klappentext: „Wien 1863. Bei einer Premierenaufführung am Wiener Burgtheater wird Kaiserin Elisabeth auf die kunstvolle Frisur der Hauptdarstellerin aufmerksam. Sie verlangt, deren Friseurin zu sprechen, und bietet ihr kurzerhand eine Stelle bei Hofe an. So gelangt die junge Fanny Angerer, uneheliche Tochter einer Hebamme, an die prunkvolle Hofburg. Von nun an widmet sie sich jeden Morgen drei Stunden lang der Haarpflege der Kaiserin, die schon bald ihre intimsten Geheimnisse mit ihr teilt. Doch als Fanny sich Hals über Kopf verliebt und den Dienst quittieren will, droht Sisi ihre Friseurin und engste Vertraute zu verlieren …“

Wie traumhaft ist das Cover bitte? Ich liebe es! Es zeigt Sisi mit einer ihrer typischen, aber kunstvollen Frisuren. Und damit fängt das Cover perfekt die Handlung ein.

Ich liebe es, dass Fany die eigentliche Hauptprotagonistin ist! Die Friseurin arbeitet an einem Theater und sticht schon bald mit ihren Kunstwerken in Sachen Haarkunst hervor. Dies dring auch zur Kaiserin durch und so bekommt Fanny die Chance, ab sofort für sie persönlich zu arbeiten. Die beiden Frauen finden nach ein paar kleinen Problemen menschlich schnell zueinander und fortan entwickelt sich ein tief freundschaftliches Verhältnis zueinander.

Man kennt Kaiserin Elisabeth aus so vielen Berichten, Dokumentationen und Büchern. Aber es war erstaunlich unterhaltsam, sie auf diese Weise zu betrachten. Aus der Sicht von Fanny. Denn diese Seite war mir bisher einfach nicht bekannt. Fanny ist eine starke Protagonistin, die mich durch ihr Können beeindruckt hat und durch ihre Loyalität zu Sisi. Sie tauschen Geheimnisse aus, die Sisi sonst keinem anderen erzählen kann und aus einer Zweckverbindung wird eine Freundschaft. Wunderbar hat die Autorin dargestellt, dass die Kaiserin charakterlich alles andere als perfekt war. Sie hatte Launen, war oft für ihre Angestellten kaum zu ertragen. Doch dank diesem recht authentischen Roman erfahren wir einmal mehr, warum. Sie hat sich eingeengt gefühlt in dem scheinbar perfekten Bild des Palastes, ihrer Würde und ihrer Geschichte. Ein goldener Käfig, der ihr die Luft zum Atmen genommen hat und sie regelrecht eingesperrt hat. All dies vertraut sie Fanny an, die ihre Launen zu nehmen weiß, der sie vertraut.

Dann gibt es da noch Fannys Geschichte, die für mich leider doch ein wenig zu kurz kam. Sie entwickelt Gefühle für einen Mann, verliebt sich. Leider wurde dieser Plott nicht eingehend genug geschildert. Ich hätte mir mehr Story für Fanny gewünscht. Die Verbindung zu Sisi nimmt den meisten Platz ein und wieder mal dreht sich vieles doch rund um die Kaiserin.

Natürlich gibt es hier keinen krassen Spannungsbogen, aber für Fans und Kenner der Kaiserin ist „Sisi. Die Sterne der Kaiserin“ sicherlich ein richtiges Highlight. Ich mag es, viel über das Leben am Hofe zu erfahren, eine distanzierte Sicht dank Fanny darauf zu erhalten und auch wieder mal zu merken, dass Kaiserin Sisi keine Überfrau war, sondern unter dem Hofzeremoniell einfach stark gelitten hat.

Eine angenehme, unaufgeregte Lektüre, die mich fasziniert hat. Einmal mehr ein Lesevernügen, was mich gut unterhalten konnte. Der Schreibstil von Mara Andeck konnte mich für sich begeistern, er war flüssig, einfühlsam und hat mich dazu gebracht, das Buch nicht zur Seite legen zu wollen. Daher vergebe ich 4/5 *.

Rebecca Serle: Ein Sommer In Italien

Leute, der Sommer ist scheinbar witterungsmäßig jetzt auch in Deutschland angekommen. Heute haben wir 25 Grad, Sonne und es ist eine akzeptable Wärme. Vor wenigen Tagen habe ich mich bei nicht so sommerlichem Wetter literarisch mal wieder nach Italien träumen dürfen, genauer gesagt nach Positano. Das bekannte Örtchen ist das Setting für den neuen Roman „Ein Sommer in Italien“ von Autorin Rebecca Serle. Sie nimmt uns mit auf eine besondere Reise.

Und genau dieses Setting transportiert Rebecca Serle so bildlich und wundervoll zu uns herüber. Wir ziehen mit ihr durch die italienischen Sehnsuchtsorte, lernen die ganz besondere Atmosphäre dort kennen und ich habe mich in diesem Setting einfach wohl gefühlt. Auch das Cover passt zu dieser Mood. Ich war sehr gespannt auf die Handlung.

Protagonistin Katy hat das Schlimmste erlebt, was man erleben kann (ich spreche aus Erfahrung): sie hat einen Elternteil verloren, ihre Mutter ist gestorben und sie steckt in tiefer Trauer um sie. Carol, so der Name ihrer Mama, wollte mit ihr eine Reise nach Positano machen, denn sie hat dort einst eine prägende, intensive Zeit erlebt. Dieser Plan wurde durch ihre Krebserkrankung vereitelt.

Katys Ehe steckt in einer schweren Krise. Sie macht sich daher auf den Weg, um die Reise alleine nachzuholen und reist an die Orte, die ihrer Mutter so wichtig waren. Die anderen Protagonisten machen es mir leicht, irgendwann in die Geschichte einzutauchen, was anfangs ein wenig schwierg war, trotz des Settings. Dort macht sie eine besondere Begegnung: eine Frau läuft ihr über den Weg, die ein Ebenbild Carols sein könnte. Und damit verschwimmen Zeit und Raum um sie herum- und um uns Leser. Wer jetzt denkt, dass der Roman magische Themen beinhaltet, den muss ich enttäuschen. So richtig klärt uns Rebecca Serle nicht darüber auf und so schwankt man zwischen den Zeiten hin und her. Aber das Geschehen hilft Katy, sich über viele Dinge klar zu werden. Über ihre Ehe, über das Schicksal ihrer Mutter in der Vergangenheit.

Und nach und nach zieht auch die Spannung in das Geschehen ein, denn ich mag die Storyline aus der Vergangenheit von vor 30 Jahren sehr. Wir lernen eine Carol kennen, die für Katy so viel bedeutet und einige Dinge verändert…

Der Roman ist kein Jahreshighlight. Doch ich habe mich nach einer Weile doch in der Handlung verloren und es war sehr angenehm zu lesen. Der Schreibstil ist tadellos, mitreissend und flüssig. Das Cover liebe ich und das Setting sowieso. Mit der detaillierten Beschreibung von wundervollen Orten kriegt man mich sowieso.

Was ich großartig finde: Katy macht eine deutliche Entwicklung durch. Sie lernt sich selbst zum ersten Mal richtig kennen, trifft Entscheidungen und denkt viel nach. Das ist ein toller Aspekt, der mir Mut macht und der sie zu einer authentischen, nahbaren Protagonistin machen.

Ein Sommerroman mit tiefgründigen Themen und einem besonders toll beschriebenen Setting. Dafür vergebe ich gerne 4/5 *.