Amanda Becker: Dieses Band Zwischen Uns

Mit „Dieses Band zwischen uns“ habe ich ein wunderbares, hoch emotionales Buch von Amand Becker lesen dürfen.

Manchmal muss man loslassen, um allen Widerständen zum Trotz den Weg zum Glück zu finden. „

 

Bisher war Nick Falkner ein Workaholic. Für die Agentur, die er mit seinen Geschwistern gegründet hat, arbeitet er hart und reist in der Welt herum. Aber jetzt soll sich das ändern. Er will sich mehr seiner Familie widmen und zu sich selbst zurück finden.
Dann ist da Noch Sophia. Eine sanfte, introvertierte junge Frau, deren Liebe zu einem Mann unerwidert bleibt. Sie hat drei engste Freundinnen, nun steht Halloween an und Sophia will sich endlich von dieser unglücklichen Liebe lösen, um frei zu sein für einen neuen Mann. Aber dann begegnet sie Nick und alles ändert sich: sie fühlen sich sofort zueinander hingezogen, aber zwischen ihnen steht etwas, womit sie nicht gerechnet haben…Ihre Liebe ist schwierig und steht vor großen Hindernissen…

Geschrieben ist das Buch aus der jeweiligen Sicht der beiden Hauptprotagonisten. Das ermöglicht einen wunderbar flüssigen Lesefluss und wir Leser:innen können ganz tief in die Gedanken der Beiden eintauchen.

Ich habe Sophia direkt in mein Herz geschlossen. Sie ist sehr schüchtern, was ihr das Leben oft schwer macht. Sie fühlt sich oft nicht verstanden von ihren Mitmenschen, außerdem belastet eine unerwiderte Liebe seit geraumer Zeit ihr Herz.
Nick hingegen ist der selbstbewusste Mann, der zu viel arbeitet und eine verletzliche Seite hat, die immer häufiger in Erscheinung tritt.
Zwei unterschiedliche Menschen, die einander begegnen und spüren, dass sich nach und nach Vertrauen aufbaut und etwas starkes sie miteinander verbindet. Die Geschichte zwischen ihnen entwickelt sich langsam, was sie umso emotionaler und fassbarer macht. Mir hat es gut gefallen, wie die Beiden zueinander finden. Aufgelockert wird der Storyplott durch die Kapitel mit Sophias Freundinnen und den Situationen mit Nicks Geschwistern.

Die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil. Er ist hochemotional, dadurch sehr mitreissend, aber auch sehr flüssig und leicht. Kurz gesagt: genau der richtige Schreibstil für diese Slow-Burn-Romance.

„Dieses Band zwischen uns“ berührt mich sehr, geht mir unter die Haut. Dies liegt vor allem an den authentischen Protagonisten, aber auch am Schreibstil und die eine oder andere Überraschung/ Wende im Storyplott.

Ich habe es sehr genossen, die Geschichte von Nick und Sophia lesen zu dürfen und habe damit eine Autorin neu für mich entdeckt. Eine Liebesgeschichte voller Intensität, Gefühl und Überraschung. So, so schön!

Ein wunderbarer Romance-Roman über alte Bänder, die man lösen muss, um ein ganz besonderes Band zu einem Menschen knüpfen zu können.

 

 

 

 

 

Kati Naumann: Sehnsucht nach Licht

Ein Roman, der sich rund um den Bergbau dreht? Noch nie gelesen, ich auch nicht… aber das habe ich geändert. Mit „Sehnsucht nach Licht“ von Kati Naumann.

Luisa ist Bergfrau. Sie arbeitet unter Tage im Schlematal, in Erzgebirge. Oft sieht sie den ganzen Tag über keinen Sonnenstrahl, kein Licht. Doch sie liebt ihre Arbeit sehr und das Ganze wurde ihr durch die Familie in die Wiege gelegt. Alle Vorfahren haben im Bergbau gearbeitet. Ihr Familie war voller Hoffnung und voller Liebe und Bewusstsein. Sie haben jede Minute im Licht sozusagen genossen. Doch manchmal ist jemand von ihnen nicht von der Arbeit im Berg zurück gekerht. Und Luisa beginnt, Nachforschungen zu betreiben. Was ist mit ihrem Großvater passiert, der seit langer Zeit verschollen ist? Es eröffnen sich einige Geheimnisse und Rätsel… und Kati erkennt: es war die Hoffnung auf Licht, die ihre Familie am Leben gehalten hat… aber was hat es mit dem Verschwinden des Großvaters wirklich auf sich?

Ein Roman, der mich sehr bewegt hat! Das Thema ist für mich bisher unbekannt, aber hat mich wirklich gut unterhalten. Die Familiengeschichte von Luisa zu erfahren, war beeindruckend. Die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil, der fast schon poetisch auf mich wirkt. Trotzdem ist er sehr gut verständlich und gefühlvoll. Sie schafft es, eine vielschichtige Familienproblematik mit tiefgründigen Themen zu verbinden. Es geht um Geheimnisse, um Rätsel und um die Hoffnung auf Licht- sprichwörtlich und tatsächlich. Ich finde die Schilderungen rund um Luisas Arbeit im Berg sehr interessant und gelungen. Ich mag das sehr und hatte großartige Lesestunden.

Stark!

 

Daniel Silva: Der Kunstsammler

Kennt ihr die Romane von Daniel Silva? Ich bisher nicht. Aber mit „Der Kunstsammler“ durfte ich mein erstes Buch von ihm lesen. Und dies ist ein Fall für Gabriel Allon.

Dieser wird zu einem neuen Fall beordert: die Carabinieri haben ein Gewölbe in der Villa eines südafrikanischen Reeders gefunden, ein geheimes Gewölbe. Der Besitzer der Villa wurde brutal ermordet. Darin befindet sich ein leerer Rahmen und ein Keilrahmen- und die scheinen zum wertvollsten Gemälde der Welt zu gehören. Dieses ist verschwunden. Nun soll Gabriel natürlich diesen mysteriösen Fall aufklären. Steht der Mord im Zusammenhang mit dem Kunstraub? Allon dringt tiefer ins Geschehen ein und begibt sich damit in eine düstere Welt aus Verschwörung und Tod. Eine Verschwörung. welche die Welt ins Verderben stürzen könnte. Um den Fall zu lösen und um die Welt davor zu bewahren, muss der Ermittler selbst einen Raubüberfall durchziehen, bei dem das Leben von unzähligen unschuldigen Menschen auf dem Spiel steht…

Klingt bombastisch, oder? Und das habe ich nach dem Lesen des Klappentextes auch gedacht. So viele Verwicklungen, so viele verschiedene Ebenen des Geschehens.

Und ganz so warm wurde ich mit dem Buch nicht. Natürlich war der Fall spannend und ich habe viele Momente gehabt, in denen ich auch wirklich mitgefiebert habe. Aber letzten Endes hat mir irgendwas gefehlt. Und mir passiert viel zu viel im Storyplott. Ich mag ja eine ereignisreiche Handlung, aber diese war mir dann doch zu viel des Guten.

Gabriel ist für moch auch kein überzeugender Protagonist, mir fehlte einfach das gewisse Etwas. Der Autor stellt ihn für mich als eine Art italiensichen 007 dar, was ich nicht sonderlich gut finde.

Der Schreibstil ist passend, leicht episch und mitreissend, gut verständlich. Für Thrillerfans sicher ein Highlight, für mich aber eher schwierig. Schade!

 

 

 

 

Marlen Hobrack: Erbgut. Was von meiner Mutter bleibt.

Marlen Hobrach, die Autorin, muss sich nach dem Tot ihrer Mutter, mit deren Nachlass beschäftigen. Doch dieser besteht nicht aus Geld oder Immobilien, auch nicht aus Schätzen. Nein, es geht um Dinge, welche ihre Mutter angesammelt hat: Nahrungsergänzungsmittel, Putzkram, Decken, Fotos. Und einen Haufen Schulden.

Die Autorin hat einen Bericht über die Entdeckung der Geschichten ihrer Mutter verfasst, der überraschend und schonungslos ehrlich ist und mit einigen Tabus bricht. Es geht um die tiefgründigsten Gedanken und Geheimnisse ihrer Mutter, um gesellschaftliche Fragen, ums Leben. Ihre Mutter hat Dinge gehortet, aber was steckte dahinter? Hat sie den nutzlosen Besitz gebraucht, um etwas zu kompensieren? Sind Menschen so? Verstricken sie sich heillos in Besitz, um ihre Probleme irgendwie akzeptieren zu können?

Mir gefällt die ungeschönte und ehrliche Art der Autorin sehr. Sie analysiert die Geschichten ihrer Mutter und übt gleichzeitig Kritik an unserer Gesellschaft aus. Brauchen wir Konsum, um uns besser zu fühlen? Stellen wir uns unseren Problemen nicht, sondern häufen lieber Besitz an? Eine sehr präzise und interessante Frage, die mich sehr zum Nachdenken gebracht hat.

Ein kluges Buch, welches Impulse schenkt, die wirklich gut tun. Man überdenkt das eigene Handeln, Verhalten, sein Verhältnis zur Mutter sogar und kann sich selbst die eine oder andere Frage beantworten.

Scharfsinnig, direkt, sehr ehrlich und motivierend. Aber auch bereichernd und authentisch.

 

Kristen Mei Chase: Graceland- Die Geschichte eines Sommers

Eine Mutter-Tochter-Geschichte vor der Kulisse Gracelands und dazu ganz viel Elvis? Das bekommt ihr mit „Graceland- Die Geschichte eines Sommers“ aus der Feder von Kristen Mei Chase.

Loralynns größter Wunsch ist es, einmal nach Graceland zu reisen und sich das Anwesen ihres Helden Elvis anzusehen. Ihre Tochter Grace erfüllt ihr diesen Wunsch. Grace benötigt gerade eine gute Ablenkung und der Trip dorthin ist ideal dafür. Doch auf dem Weg nach El Paso erleben Mutter und Tochter einiges. Sie werden mit verhängnisvollen Erinnerungen konfrontiert, treffen alte Freunde, erleben eine Session bei Hellseher und werden auch noch mit ihrem eigenen, nicht gerade lupenreinen Verhältnis zueinander konfrontiert. Sie singen in Karaokebars, sie erleben ein echtes Abenteuer, ihren eigenen Roadmovie. Und trotzdem finden sie einen Weg zueinander, zurück zum engen Verhältnis von Mutter und Tochter. Sie merken, wie verletzt Beide jeweils sind und gestehen sich dies endlich ein.

 

Nicht nur eine literarische Reise hin zu Elvis, sondern auch eine Reise zu sich zurück, bietet dieses Buch.

Ich mag den Schreibstil ganz gern. Ich finde Bücher mit einer Mutter-Tochter-Problematik oft ganz schwierig und war eher kritisch. Aber ich als Elvis-Fan musste dieses Buch lesen und habe es nicht bereut. Ich habe eine tiefgründige, bunte und so vielschichtige Geschichte gelesen, die mich herrlich unterhalten hat, mich aber auch zum Nachdenken angeregt hat. Ich mag die angemessene Portion Emotionen, welche die Autorin in den Storyplott einfliessen lässt. Ich mag es, wie Mutter und Tochter miteinander umgehen. Und ich mag diesen feinen Humor der Verfasserin, er hat mir richtig gut gefallen.

Eine Hommage an Mütter und Töchter, an Elvis- aber auch ans Leben. Ans Verzeihen. Stark!