Ane Riel: Geister Weinen Nicht

Witwe Alma wohnt seit dem Tod ihres Mannes allein im einst gemeinsamen Haus in einer Sackgase in einem kleinen, dänischen Ort. Gesundheitlich ist die Seniorin nicht fit. Sie hat mit Gedächtnislücken zu kämpfen, mit Gicht, kann kaum noch laufen und ist dazu noch taub. Aber trotz aller Leiden lässt sie es sich nicht nehmen, die Bornholmer Standuhr in ihrem Besitz aufzuziehen. Alma ist klar: wenn sie vergisst,die Standuhr nicht mehr aufzuziehen, wird sie selbst am nächsten Morgen nicht mehr leben. Aber dann tritt ein Junge in ihrem Leben. Er besitzt einen Hund Alma schließt eine ungewöhnliche Freunschaft mit ihnen. Er sorgt dafür, dass all die Erinnerungen an ihren Mann, den Uhrmacher Otto, wieder lebendig werden. Und diese Erinnerungen sind nicht unbedingt positiv. Denn Otto war kein zufriedener Mann, er war unberechenbar und jähzornig. Alma weiß, warum er tatsächlich nicht mehr lebt. Doch der wahre Grund ist ihr entfallen…

Ich habe dieses recht kurze Büchlein an Halloween gelesen und wurde nicht enttäuscht. Die Geschichte hat mich wirklich gefangen genommen. Sie ist nicht nur unheimlich und spannend, sondern hat mich auch sehr berührt. Ich mag ältere Menschen sehr und Alma ist eine ganz besondere Frau. Sie hat ihr Leben gelebt, hat den Tod ihres Mannes erlebt. Die Freundschaft, die sie mit dem Jungen schließt, hat mein Herz berührt. Wir begleiten Alma durch ihren Alltag und erfahren nach und nach, wie ihre Ehe mit Otto wirklich war. Wir kommen hinter ihre Geheimnisse und hinter den Grund, warum der Uhrmacher wirklich gestorben ist. Es gibt unheimliche, intensive Szenen, das Buch besitzt trotzdem eine gewisse Tiefe und regt sehr zum Nachdenken an.

Beeindruckend, berührend und spannend.

 

Lea Melcher: Buttercream Witch

Schon vor einem Jahr habe ich mir das zauberhafte Buch „Buttercream Witch“ von Lea Melcher zugelegt und war sofort begeistert von der Gestaltung. Jetzt, kurz vor Halloween, habe ich es endlich vom Sub erlöst und muss sagen: das Warten hat sich so was von gelohnt!

Millie Battersea ist nach Snickerford zurück gekommen, um die Tradition ihrer Familie weiterzuführen: diese backt für die Hexen des kleinen Ortes magische Buttercremetorten. Aus diesen ziehen die Hexen dann ihre Kraft. Aber eines Tages kommt es zu einem üblen Vorfall: die Torten von Mille wurden mit schwarzer Magie vergiftet und machen sie zu gefährlichen, unberechenbaren Wesen, die fast Snickerford zerstören. Gemeinsam mit Remington, dem Torten-Lieferanten und Lieferant für alles, verhindert Millie Schlimmeres und verabreicht den eskalierenden Hexen ein Gegengift. Nachdem sich die Aufregung gelegt hat, wird ausgerechnet sie verdächtigt, die schwarze Magie in die Torten gebracht zu haben. Aber das lässt Millie nicht auf sich sitzen! Mit Remington will sie Beweise für ihre Undschuld und den wahren Täter finden. Dabei kommen sich der Tortenlieferant und sie bald näher- aber kann Millie es schaffen, den wahren Übeltäter zu finden? Oder hält bald die dunkle Magie Einzug im kleinen magischen Snickerford?

Ach, ich liebe dieses Buch. Wie kommt man bitte auf so eine großartige Idee? Lea Melcher hat ein absolut magisches, großartiges Leseerlebnis geschrieben, welches ich einmalig finde. Sie hat eine Welt konstruiert, die ich einfach lieben muss. Millie ist toll, sie ist mutig und gibt nicht auf. Und ich mag auch die Geschichte, die sich zwischen ihr und Remington entwickelt. Übrigens besitzt diese Buch auch eine gute Portion Spice, womit ich überhaupt nicht gerechnet habe.

Lea Melchers Schreibstil ist sehr flüssig, sehr erfrischend und ich habe jede einzelne Seite dadurch regelrecht verschlungen. Ich wollte wissen, was hinter dem Vorfall in Snickerford steckt und habe mitgefiebert. Zuckersüß finde ich Millies Sidekick, die Fledermaus „Maus“, die mich echt zum Lachen gebracht hat. In der Realität mag ich Fledermäuse überhaupt nicht, aber hier passt Maus supergut rein und ist einfach nur niedlich. Auch Maus hat ein Geheimnis…

Spannend, mysteriös und soooo gut. Ein toller Roman, der ideal für den Herbst ist. Ich liebe es!

 

Annika Strauss: Nachtfahrt

Vor einer Weile kam ich mit Neuautorin Annika Strauss auf Instagram ins Gespräch. Wir unterhielten uns über die anstehende Veröffentlichung ihres Debüts „Nachtfahrt“ und ich war begeistert, als sie mich fragte, ob ich das Buch lesen möchte. Natürlich, für einen guten Psychothriller bin ich doch immer zu haben.

Katharina Holten ist geschockt: ihr Vater ist bei einem tragischen, unerklärlichen Verkehrsunfall ums Leben gekommen- und das als Fahrlehrer! Sie hat nun nicht nur die Verantwortung für seine Fahrschule, sondern muss sich auch um ihre Nicht Ronja kümmern. Für Katharina ist das alles schwer genug, sie wird aber durch die Rückkehr in ihre Heimat mit einem Ereignis konfrontiert, welches sie eigentlich hinter sich lassen wollte. Damals wurde ihr Leben komplett durcheinander gewirbelt. Nun ist ihr Vater tot, der Unfall wirft viele Fragen auf und ein Fahrlehrer wird brutal zusammen geschlagen. Katharina gerät unter Druck, als Ronka verschwindet und sie vor eine schier unlösbare Aufgabe gestellt wird: sie muss heraus finden, was die ganzen Geschehnisse mit ihrer Familie zu tun haben, ansonsten wird Ronja ebenfalls ermordet. Und damit beginnt der Wahnsinn, der Wettlauf gegen die Zeit…

Wie gut kann ein Psychothriller sein? Ich finde das Cover samt dem neongelben Farbschnitt sehr passend gewählt und das Setting ist mal richtig interessant. Wir bewegen uns in einer Fahrschule, aber es geht um ein dunkles, mörderisches Familiengeheimnis.
Katharina weiß als Hauptprotagonistin durchaus zu überzeugen. Sie gerät in einen Sog aus Dunkelheit, Gewalt und eben der Frage, was in ihrer Familie wirklich los ist. Katharina ist stark, auch wenn sie das manchmal selbst nicht denkt und ich finde sie authentisch.
Die Atmosphäre des Thrillers hat mich sofort gepackt. Ich wollte wissen, aus welchem Grund ihr Vater sterben musste, warum die Fahrschule scheinbar der Dreh- und Wendepunkt des Ganzen ist. Die Atmosphäre ist düster, mitreissend, prickelnd und genau so, wie ich sie von einem guten Pychothriller erwarte.
Die Autorin hat einen packenden Schreibstil, der sehr flüssig ist und perfekt zum Storyplott passt. Der Spannungsbogen wird angenehm mitreissend in die Länge gezogen.

Ein eindringlicher, mysteriöser Psychothriller, der gut unterhält und für aufregende Lesestunden sorgt. So gut!

 

 

Carsten Henn: Die Goldene Schreibmaschine

Aktuell läuft mit „Der Buchspazierer“ eine Verfilmung von Carsten Henns Bestseller im Kino. Auf der FMB war er mit seinem neuen Buch „Die goldene Schreibmaschine“ vertreten- ein Kinderbuch voller Abenteuer und Spannung. Ich möchte es euch heute genauer vorstellen!

Vorab: ich finde das Cover wunderschön. Es ist hochwertig und lädt zum Schmökern und Träumen ein.

Emily ist die Aussenseiterin in der Schule. Mit dieser Rolle hat sie sich abgefunden. Immerhin hat sie die besten Freunde, die sie sich vorstellen kann: Frederick und Charlie. Emily lebt bei ihren Großeltern, da ihre Eltern am anderen Ende der Welt arbeiten.
Ihre Oma arbeitet hingegen in der Anna Amalia Bibliothek. Und Emily liebt Bücher. Eines Tages entdeckt das Mädchen durch Zufall, dass es noch eine zweite, geheimnisvolle Bibliothek gibt- hinter der Anna Amalia. Und dort steht eine goldene Schreibmaschine. Sie ist nicht nur schön, sondern magisch. Mit ihr kann man Bücher verändern- was Auswirkungen auf den Ablauf und Geschehnisse in der realen Welt hat. Emily beginnt, diese Magie zu nutzen.
Da ist aber noch ihr unsympathischer und unmöglicher Lehrer Dr. Dresskau. Er hat Emily auf dem Kieker- und er sucht verzweifelt nach eben diesem Geheimnis der Bibliothek, welches sie gelüftet hat. Er reisst die goldene Schreibmaschine und damit die Macht über die Magie an sich. Kann Emily ihn aufhalten? Denn Dr. Dresskau hat nur eines im Sinn: die Weltherrschaft. Und damit eine Welt, die genauso dunkel und unerträglich ist wie er. Emily muss ihn stoppen… aber wie?

Ich mag den Schreibstil von Carsten Henn sehr. Er ist besonders, aber auch sehr flüssig und spannend. „Die goldene Schreibmaschine“ ist sein erstes Kinderbuch- und sein Schreibstil, den ich schon bei anderen Büchern sehr mochte, passt perfekt zu diesem Genre. Er haucht Emily Leben ein, ein wunderbares Mädchen voller Neugier, Stärke und Wissen. Die Geschichte rund um die Schreibmaschine ist einfach so fantasievoll und mitreissend, ich habe die Lektüre sehr genossen. Denn der Autor lässt auch viele wichtige Werte einfliessen. Er zeigt den Kids, wie wichtig Freundschaft und Mut sind und dass es nichts falsches ist, wenn man anders als andere ist.

Ein ganz wunderbares Abenteuer für Kinder und junge Teenager, aber auch für uns Erwachsene. Magische, mitreissend, klug und sehr spannend!

 

Melanie Raabe: Der Längste Schlaf

Die Bücher von Melanie Raabe sind bisher an mir vorbei gegangen- leider! Aber ich werde sie nun nach und nach lesen. Grund ist ihr neuer Roman „Der längste Schlaf“- ein unblutiger Thriller, der mich absolut mitgerissen hat.

Protagonistin Mara Lux arbeitet als Wissenschaftlerin, die sich mit dem Thema Schlaf beschäftigt. Sie kennt sich damit so gut aus wie kaum jemand anders. Mara, die in London wohnt, ist die führende Forscherin auf dem Gebiet, doch sie selbst kämpft seit langer Zeit unter Schlaflosigkeit und Schlafstörungen. Der Grund: ihre sehr lebhaften Träume, die jedes Mal Realität werden. Für Mara ist das eine Katastrophe, denn die rationale junge Frau hat dies nicht unter Kontrolle, was ihr sehr zusetzt.
Doch eines Tages erhält sie eine Nachricht aus ihrer Heimat Deutschland: ein Anwalt  teilt ihr mit, dass sie ein großes Haus geerbt hat- doch von wem, kann er ihr nicht mitteilen. Das große Haus samt Anwesen steht in einer Kleinstadt. Mara kann ihre Neugier darauf nicht zähmen und reist nach Deutschland. Bald erkennt sie, dass ihre wilden und bedrohlichen Träume sie mit diesem Haus verbinden…

Auf den ersten 50 Seiten etwa hat mich die Story nicht erreicht- aber dann nahm der Plott an Fahrt auf und ich war mittendrin. Die Atmosphäre im Buch hat mich gefangen genommen. Sie ist geheimnisvoll und hat mir sehr gut gefallen. Mira ist für mich eine angenehme Protagonistin, die mit Problemen kämpft, die ich leider zu gut kenne. Ich hatte auch schon Phasen, in denen ich richtig schlecht schlief. Und das belastet sehr.
Doch ihr Leiden nimmt eine Wendung, als sie das Haus erbt und dorthin reist. Und was dort geschieht, verrate ich nicht. Ich spoiler nicht.

Der Schreibstil der Autorin gefällt mir ausgesprochen gut. Er ist flüssig, bildgewaltig und intensiv. Melanie Raabe hat es geschafft, dass das Buch für mich ein echter Pageturner wurde. Ich bin tief in Miras Gedanken eingetaucht und habe sie sehr gut nachvollziehen können. Sie ist authentisch, ich verstehe ihren Wunsch so gut, alles kontrollieren zu wollen. Aber uns selbst können wir im Schlaf, im Traum, nun mal nicht kontrollieren.

Das Buch würde ich als „Thriller“ einsortieren, allerdings kommt es ganz ohne Blut aus. Ich mag das sehr! Die Spannung hat mich wirklich mitgerissen, sie wird langsam aufgebaut und sorgt dafür, dass ich das Buch nicht zur Seite legen wollte. Intensiv, atmosphärisch und sehr mitreissend. Mit Sicherheit nicht mein letzter Roman der Autorin!