Elke Becker: Das Haus Kölln. Glänzende Zeiten.

Mit „Glänzeite Zeiten“ ist der Auftakt der „Das Haus Kölln“-Reihe von Elke Becker erschienen. Ich habe den ersten Band gestern in einem Rutsch durchgelesen und möchte euch natürlich von meinem Leseerlebnis berichten.

Wir befinden uns im Jahr 1886 in Elmshorn. Charlotte Kölln ist eine viel zu junge Witwe, ihr Mann starb bei einem Arbeitsunfall in der familieneigenen Kornmühle. Doch sie kann nicht lange trauern, denn der Betrieb darf nicht still stehen. Ihre Familie hat finanziell schwer zu kämpfen und Charlotte will natürlich nicht, dass das Elend größer wird. Aber es ist nicht einfach für eine Frau in der damaligen Zeit, einen Kredit zu bekommen, geschweige denn Geschäftsführerin zu sein. Aber sie setzt sich durch.
Ihr Sohn Peter verliebt sich in die Arbeiterin Bertha, was Charlotte nicht gut findet. Sie möchte nicht, dass der Status der Familie Kölln unter dieser unstandesgemäßen Liebe leidet. Sie will ihn mit der Tochter einer angesehenen anderen Familie verheiraten. Aber ihr Sohn setzt sich durch und setzt auf die Liebe zu Bertha. Und das ist der Wendepunkt in Charlottes Kampf ums Überleben der Firma. Sie muss sich mit Bertha zusammenraufen und die beiden ungleichen Frauen merken, was sie gemeinsam und mit ihrem jeweiligen starken Willen erreichen können!

Wie ihr sicher richtig erkannt hat, geht es in dieser Reihe um die Entstehungsgeschichte der Firma Kölln. Noch heute kennen wir ihre Produkte. Ich mag es sehr, wie darauf dieser Roman entstanden ist. Es ist sehr interessant, wie eine Witwe nach dem Tod ihres Mannes ein Unternehmen durchbringt, immer wieder werden ihr und ihrer Familie Hindernisse in den Weg gelegt und immer wieder sind es die Konventionen, die die Familie auf die Probe stellen. Charlotte orientiert sich sehr am Stand und Ruf ihrer Familie. Ihr ältester Sohn stellt sie vor vollendete Tatsachen, in dem er sich für die Liebe entscheidet. Es war schön, zu sehen, wie die beiden ungleichen Frauen zusammen gewachsen sind.

Elke Becker widmet diesen Roman nicht nur der Familie Kölln, sondern auch mutigen Frauen, die sich über Standeshindernisse hinwegsetzen, die als Frauen trotzdem mutig sind und ein Unternehmen durch eine schwere Zeit führen.

Der Schreibstil hat mich berührt, so wie mich die ganze Geschichte berührt hat. Ich habe mich sehr gut in diesen Roman einfühlen können und habe mich sehr gut unterhalten gefühlt. Ein sehr spannender Roman rund um die Entstehung eines bekannten Unternehmens und rund um die Familie dahinter. Eine Familiengeschichte, die berührt und mitreisst.

Wunderbar. Ich freue mich auf Band 2 !

4,5/ 5 *

 

Juliana Weinberg: Gut Erlensee- Marillas Schicksal

Bisher habe ich keinen Roman der Autorin gelesen. Mit „Marillas Schicksal“ hat Juliana Weinberg den dritten Band der „Gut Erlensee“-Reihe veröffentlicht. Und der vertrieb mir auf angenehme Weise meinen Weihnachtsfrust und meine Einsamkeit.

Das Buch spielt im Jahr 1924 in der Nähe von Kiel. Marilla ist fassungslos. Sie hat ihre große Liebe verloren und damit auch ihren Lebenssinn. Sie möchte sich nur zurückziehen, möchte nichts sehen und hören. Aber da sind noch ihre Schwestern, die nicht zulassen möchten, dass Marilla sich nicht mehr auf dem Gut Erlensee betätigt, welches der Familie gehört. Und sie nimmt den Wunsch an, ist fortan an der frischen Luft, verbringt Zeit mit den Pferden und in der Natur. Langsam halten die guten Gedanken wieder Einzug. Dafür sorgt auch der lebensfrohe nachbar Leonhard, der sie auffängt und zu dem sie eine besondere Verbindung aufbaut. Aber dann passiert etwas, was alles zerstören könnte…

Wie mir eine befreundete Leseratte mir mitteilte, war Marilla in den ersten beiden Bänden eine lebensfrohe junge Frau, die eine ungeheure positive Einstellung hatte. Aber durch den Verlust des Ehemannes, den sie sehr geliebt hat, versinkt sie in einem tiefen Loch aus Sinnlosigkeit und Trauer, Verzweiflung und auch einiger Hoffnungslosigkeit. Jede der Schwestern scheint einen eigenen Charakter zu haben und ich werde mir die ersten Bände noch kaufen.

Ich habe Marilla in mein Herz geschlossen. Ihre Trauer um die verlorene Liebe ist so berührend, so emotional und intensiv geschildert. Zusammen mit dem flüssigen, angenehmen Schreibstil der Autorin habe ich mich sehr wohl auf Gut Erlensee gefühlt. Ich habe die ersten Bände bisher nicht gelesen, aber es gelang mir, in den Storplott hinein zu tauchen und mitzufiebern.

Ich mag die Entwicklung von Marilla sehr. Sie war einst lebensfroh und aktiv, hat sich dann aus gutem Grund zurück gezogen. Zu erleben, wie sie langsam wieder neuen Mut fasst, eins wird mit der Natur und durch die frische Luft wieder regelrecht durchatmen kann, war einfach schön. Dazu hat sich mit Leonhard ein Handlungsstrang angebannt, den ich sehr sehr mag. Der positive junge Mann tut unserer Hauptprotagonistin sehr gut. Und dann passiert etwas, was alles in Gefahr bringen könnte und was mich wirklich aufgeregt hat. Der Spannungsbogen war ideal, damit wurde die Geschichte noch mal unterhaltsamer.

Ich bin dankbar, diese Reihe für mich entdeckt zu haben. Dieser Roman gefällt mir äußerst gut, besitzt genug Tiefgang, beschäftigt sich mit wichtigen Themen und ist herrlich unterhaltsam. Ich bin gespannt auf die Schicksale der anderen Schwestern.

4,5/5 *

Michelle Adams: Die Sammlerin Der Erinnerungen

Wie schön kann ein Cover bitte sein? Im Bloggerportal sprang mir kürzlich das Buch „Die Sammlerin der Erinnerungen“ ins Auge. Der Klappentext klingt so gut, dass ich das Buch angefragt habe. Vielen Dank für die Zusendung, liebes Team vom Bloggerportal.

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen und an zwei Orten.

Frances verlebt die warme Jahreszeit in einem südfranzösischen Dorf, irgendwann in den 80ern. Ihr Herz gehört Benoit und sie erlebt den Sommer ihres Lebens mit ihm. Allerdings werden die Beiden getrennt, als er ihr von einem dunklen Geheimnis erzählt- sie können nicht mehr zusammen sein.
Dann geht es weiter in England, im Jahr 2022. Harry Langley ist der Sohn von Frances, welche gerade gestorben ist. Er kümmert sich um die Abwicklung ihres Vermächtnisses, dazu gehört die Auflösung ihres Haushaltes. Er muss eine Aufgabe erfüllen: eine besondere, wertvolle Schatulle finden. Seine Ex-Freundin Tabitha hilft ihm dabei. Was von großem Vorteil ist, denn sie arbeitet als Kunsthistorikerin. Zusammen sortieren sie das Sammelsurium von Andenken seiner Mutter durch. Und immer mehr gleiten sie hinein in Frances Leben, in ihre Vergangenheit. Aber in welchem Zusammenhang steht die Schatulle? Und welches Geheimnis umgibt ihr damaliger Sommer in Südfrankreich?

Die Geschichte hat viel Potential- und ich habe es heute in einem Rutsch durchgelesen. Ich wollte wissen, welches Geheimnis von Benoit auch Frances beeinflusst hat und welche Auswirkungen dies auf Harry hat. Die Suche nach den Puzzleteilen, welches hinterher ein ganzes ergeben sollen, das Puzzle von Frances Leben, hat mir großen Spaß gemacht. Der Schreibstil der Autorin sorgt dafür, dass man dran bleibt und man mitfiebert.

Und trotz der wirklich guten Story, ich habe mich schwer getan, Zugang zu Harry und Tabitha zu bekommen. Ich hätte mir gewünscht, dass ich mehr von der einstigen Liebe und den wieder aufflammenden Gefühlen nachempfinden konnte, aber meine Erwartungen dahingehend wurden leider nicht erfüllt. Ich vermisse Leidenschaft, Liebe und Wärme zwischen ihnen. Das ich diese nicht fühlen konnte, tut mir wirklich leid. Der Storyplott ist spannend und ich habe darauf gewartet, dass ich noch ein Gefühl für die Beiden bekomme. Leider war das nicht der Fall.

Aber vielleicht geht es ja anderen Leser:innen ganz anders! Ich bin eigentlich eine sehr empathische Leserin, aber hier fehlte mir der Zugang. Was nicht bedeutet, dass das Buch schlecht ist. Es ist solide, sorgt für nette Unterhaltung. Aber leider konnte es mich wegen der für mich mangelnden Emotionen von Harry und Tabitha nicht umhauen. So schade.Aber es gibt auch mal das eine oder andere Buch, was mich nicht erreichen kann.

3,5/5 ‚

Susanne Rubin: Alsterglanz- Lottes Hoffnung

Ich lese liebend gerne Bücher mit Setting in Hamburg, meiner Lieblingsstadt. „Alsterglanz- Lottes Hoffnung“ spielt in der Hansestadt im Jahr 1929. Wir begleiten Lotte, die gerade nach Hamburg gezogen ist, auf ihrem Weg in ein neues Leben.

Lotte kommt nach Hamburg, um ihre schmerzvolle Vergangenheit hinter sich zu lassen und um einen Neuanfang zu wagen. Wo soll ihr das besser gelingen als in der besonderen Stadt im Norden an der Elbe? Der neuen Metropole, dem Tor zur Welt? Sie beginnt eine Stelle als Schneiderin im Warenhaus Hermann Tietz, was besonders schick und luxuriös ist. Dort werden Waren vertrieben, die exklusiv sind und so kaum woanders erhältlich sind. Lotte wird mit ihrem Beruf Teil dieses neuwertigen Kaufhauses und der edlen Atmosphäre. Sie ist frohen Mutes. Und dann lernt sie durch die Arbeit noch Jannes kennen, einen Kaufmann. Zwischen ihnen entwickeln sich langsam Gefühle- aber Lotte hat eine dunkle Vergangenheit, die sie hinter sich lassen wollte- die aber ihrem Glück mit Jannes im Wege steht. Schafft sie es wirklich, die Ketten der Vergangenheit zu sprengen und gelingt ihr der Neuanfang in der Elbmetropole? Und wird Jannes an ihrer Seite sein?

Der Klappentext war ausschlaggebend, dass ich das Buch im Bloggerportal angefragt habe. Und ich mag die Geschichte sehr. Die Autorin und ihre Romane kannte ich zuvor nicht, aber ich mag ihren Schreibstil. Sie hat die Atmosphäre im Hamburg der späten 20er-Jahre sehr gut eingefangen.

Wer Hamburg kennt, der liebt die spezielle hanseatische Art und Weise. Auch diese habe ich während des Lesens wahr genommen. Ich habe mich daher sehr wohl gefühlt mit dem ganzen Setting. Denn auch das Warenhaus war ein tolles Setting. Die Autorin hat uns in den Glamour des neuartigen Kaufhauses eintauchen lassen, glaubwürdig und mitreissend.

Ich mag Lottes Geschichte. Eine junge Frau wagt einen Neuanfang und durchlebt das eine oder andere Ereignis, findet die große Liebe und scheint an ihrer Vergangenheit zu scheitern.

Auch das damalige Weltgeschehen wurde gut eingefangen. Der wachsende Antisemitismus, die Wirtschaftskrise und andere immense Probleme, die Deutschland damals bewegten, sind ein Teil der Handlung. Dazu kommt Lottes Geschichte, ein Storyplott, der authentisch und interessant ist, der mich mitgerissen hat.

Übrigens: aus dem Warenhaus Hermann Tietz ging später die Kette „Hertie“ hervor, was ich wiederum sehr interessant finde. So bekommen wir auch einen Einblick in die Geschichte eines später namenshaften Kaufhauses.

Der Roman konnte mich überzeugen, war aber leider kein Lesehighlight. Es hat mir wirklich gut gefallen, in das Hamburg der späten 20er-Jahre einzutauchen, die Lebensgeschichte von Lotte miterleben zu dürfen und die Stimmung der damaligen Zeit beim Lesen regelrecht spüren zu können. Ein interessantes Buch mit einem guten Storyplott, aber leider ein wenig verschenktem Potential. Trotzdem eine angenehme Lektüre.

3,5/5 *

Mareen Kempker: Die Ringfabrik

Mit „Die Ringfabrik“ durfte ich eine mysteriöse Familiensaga voller Geheimnisse entdecken.

„Die Ringfabrik“ von Mareen Kempker fällt durch sein Cover auf. Es wirkt schlicht, aber auch mystisch. Und so kann man den Storyplott des Romans auch bezeichnen: mystisch und spannend.

Letizia ist 27 Jahre alt, studiert Kunstgeschichte und nimmt einen Job in einem Museum in Berlin an. Aber schnell merkt sie, dass es nicht einfach nur ein Job ist: sie wird in die Vergangenheit gezogen.
Auf einem Event lernt sie einen attraktiven Mann kennen, an den sie fortan ständig denken muss. Er ist geheimnisvoll und hat sich in ihre Gedanken geschlichen. Aber woher kennt sie ihn nur? Er ist kein Unbekannter, aber sie weiß nicht, wo sie ihm schon mal begegnet ist.
Dann jedoch führt ihr Job sie kurzfristig nach Wien, wo sie in einem weiteren Museum aushelfen soll, welches sich mit Kunsthistorie beschäftigt. Und genau dort begegnet sie dem Unbekannten wieder und begreift, warum sie sich ihm gegenüber so verbunden fühlt. Aber genau diese Verbindung stellt ihre gesamte Welt auf den Kopf. Ihre Vorstellungskraft, alles was sie bisher wusste und kannte.

Und was genau hat die geheimnisvolle Ringfabrik damit zu tun? Welche Geheimnisse umgeben Letizias Geschichte noch und was steckt hinter diesem mysteriösen Ring und die Haushälterin maria?

Ich habe mich auf einen spannenden Roman rund um Familiengeheimnisse eingestellt- und wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil. Meine Erwartungen wurden übertroffen.

Das Buch spielt zum größten Teil in Wien, was ich sehr mag. Das ist mal ein anderes Setting und ich bin fasziniert von der Ringfabrik!

Erzählt wird, wie es für eine Familiensaga typisch ist, auf zwei Zeitebenen. Das macht das Lesevergnügen noch größter, wir tauchen somit in die Vergangenheit der Familie ein und lernen Details kennen, die uns dem Geschehen noch näher bringen.

Einordnen lässt sich dass Buch als Familiensaga, aber es gibt einen großartigen Spannungsbogen, Krimielemente, eine romantische Erzählebene und so viel mehr zu lesen und zu entdecken.

Dieses Buch wirkt mysteriös- und so ist auch der Storyplott. Ich hatte großen Lesespaß und bin tief in die Geheimnisse der Familie und die Ringfabrik, sowie den einen, besonderen Ring, eingetaucht.

Der Schreibstil von Mareen Kempker konnte mich überzeugen. Er ist flüssig, sehr mitreissend und verleiht dem Roman somit noch mehr Spannung.

4,5/5 *