Marlen Hobrack: Erbgut. Was von meiner Mutter bleibt.

Marlen Hobrach, die Autorin, muss sich nach dem Tot ihrer Mutter, mit deren Nachlass beschäftigen. Doch dieser besteht nicht aus Geld oder Immobilien, auch nicht aus Schätzen. Nein, es geht um Dinge, welche ihre Mutter angesammelt hat: Nahrungsergänzungsmittel, Putzkram, Decken, Fotos. Und einen Haufen Schulden.

Die Autorin hat einen Bericht über die Entdeckung der Geschichten ihrer Mutter verfasst, der überraschend und schonungslos ehrlich ist und mit einigen Tabus bricht. Es geht um die tiefgründigsten Gedanken und Geheimnisse ihrer Mutter, um gesellschaftliche Fragen, ums Leben. Ihre Mutter hat Dinge gehortet, aber was steckte dahinter? Hat sie den nutzlosen Besitz gebraucht, um etwas zu kompensieren? Sind Menschen so? Verstricken sie sich heillos in Besitz, um ihre Probleme irgendwie akzeptieren zu können?

Mir gefällt die ungeschönte und ehrliche Art der Autorin sehr. Sie analysiert die Geschichten ihrer Mutter und übt gleichzeitig Kritik an unserer Gesellschaft aus. Brauchen wir Konsum, um uns besser zu fühlen? Stellen wir uns unseren Problemen nicht, sondern häufen lieber Besitz an? Eine sehr präzise und interessante Frage, die mich sehr zum Nachdenken gebracht hat.

Ein kluges Buch, welches Impulse schenkt, die wirklich gut tun. Man überdenkt das eigene Handeln, Verhalten, sein Verhältnis zur Mutter sogar und kann sich selbst die eine oder andere Frage beantworten.

Scharfsinnig, direkt, sehr ehrlich und motivierend. Aber auch bereichernd und authentisch.

 

Kristen Mei Chase: Graceland- Die Geschichte eines Sommers

Eine Mutter-Tochter-Geschichte vor der Kulisse Gracelands und dazu ganz viel Elvis? Das bekommt ihr mit „Graceland- Die Geschichte eines Sommers“ aus der Feder von Kristen Mei Chase.

Loralynns größter Wunsch ist es, einmal nach Graceland zu reisen und sich das Anwesen ihres Helden Elvis anzusehen. Ihre Tochter Grace erfüllt ihr diesen Wunsch. Grace benötigt gerade eine gute Ablenkung und der Trip dorthin ist ideal dafür. Doch auf dem Weg nach El Paso erleben Mutter und Tochter einiges. Sie werden mit verhängnisvollen Erinnerungen konfrontiert, treffen alte Freunde, erleben eine Session bei Hellseher und werden auch noch mit ihrem eigenen, nicht gerade lupenreinen Verhältnis zueinander konfrontiert. Sie singen in Karaokebars, sie erleben ein echtes Abenteuer, ihren eigenen Roadmovie. Und trotzdem finden sie einen Weg zueinander, zurück zum engen Verhältnis von Mutter und Tochter. Sie merken, wie verletzt Beide jeweils sind und gestehen sich dies endlich ein.

 

Nicht nur eine literarische Reise hin zu Elvis, sondern auch eine Reise zu sich zurück, bietet dieses Buch.

Ich mag den Schreibstil ganz gern. Ich finde Bücher mit einer Mutter-Tochter-Problematik oft ganz schwierig und war eher kritisch. Aber ich als Elvis-Fan musste dieses Buch lesen und habe es nicht bereut. Ich habe eine tiefgründige, bunte und so vielschichtige Geschichte gelesen, die mich herrlich unterhalten hat, mich aber auch zum Nachdenken angeregt hat. Ich mag die angemessene Portion Emotionen, welche die Autorin in den Storyplott einfliessen lässt. Ich mag es, wie Mutter und Tochter miteinander umgehen. Und ich mag diesen feinen Humor der Verfasserin, er hat mir richtig gut gefallen.

Eine Hommage an Mütter und Töchter, an Elvis- aber auch ans Leben. Ans Verzeihen. Stark!

 

 

Lena Pauli: Die Schwestern vom Stachus

In diesem Roman reisen wir mit Lena Pauli ins München des Jahres 1948 zurück. Vor drei Jahren haben Anita und Emmi die Großbäckerei ihres Vaters nach der Zerstörung des Krieges wieder afugebaut. Seine Simmerl-Semmeln waren legendär und genau diesen Erfolg wollen die beiden Schwestern wieder erlangen. Aber so einfach ist das nicht. Sie haben nur begrenhzt Geld, Rohstoffe sind nach dem Krieg auch so eine Sache und auch ihr eigenes Leben steht im Gegensatz zu den Bemühungen, die Bäckerei wieder aufzubauen.
Emmis Mann ist in den Krieg gezogen und mit ihrer Tochter Annemarie hofft sie, dass er eines Tages wirklich zurückkehrt. Die Beiden zieht es daher immer wieder hoffnungsvoll zum Bahnhof- doch bisher fehlt von ihm jede Spur. Anita ist Witwe und hat einen Verehrer, der ihr gar nicht passt und der sie gewaltig stört. Doch etwas haben die Schwestern, was sie eng aneinander schweißt: ihre Familie und ihre Verbundenheit. Sie wollen die Bäckerei wieder auf Vordermann bringen, egal wie…
Was für starke Protagonistinnen! Ich mag Emmi und Anita sehr. Sie haben den Wunsch, dem Vermächtnis ihres Vaters wieder neues Leben einzuhauchen und sie kämpfen dafür, egal wie schwierig die Situation auch ist. Es mangelt an Rohstoffen, an Geld, trotzdem geben die Schwestern nicht auf. Und auch Emmi gibt die Hoffnung, dass ihr Mann wiederkehrt, nicht auf. Sie ist voller Liebe für ihn und kann sich ein Leben ohne ihn nicht vorstellen. Anita ist willensstark und setzt sich gegen ihren unerwünschten Verehrer durch.
Es ist beeindruckend, wie stark Familiebande sein können.
Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Es ist mein erstes Buch der Autorin und ich habe mich durch den flüssigen, leichten Schreibstil gut auf den Storyplott einlassen können. Sie schreibt intensiv, aber trotzdem gut verständlich und gibt die Stimmung der Nachkriegszeit sehr gut wieder.
Ein Roman voller Hoffnung, Liebe- und voller Famlienzusammenhalt. Er hat mir tolle Lesestunden beschert und ich würde für einen weiteren Band gerne wieder nach München zu den Schwestern zurückkehren. Toll!

Kati Stephan: Aussicht auf ein neues Morgen

Nach „Mauerträume“ hat Kati Stephan mit „Aussicht auf ein neues Morgen“ einen weiteren emotionalen Roman veröffentlicht, der zu Zeiten der DDR spielt.

Dieses Mal geht es um die drei Frauen Hanna, Trudi & Babs.

Hanna zieht in den 70er-Jahren nach Ost-Berlin, sie hat eine Stelle beim Postamt im Fernsehturm gefunden. Sie lernt bald Trudi und Babs kennen und freundet sich mit den Beiden an. Alle drei Frauen haben ihre Träume und Hoffnungen, was das Leben in Berlin angeht.

Trudi träumt davon, endlich Ost-Berlin verlassen zu dürfen und setzt alles daran, um in den Westen zu gelangen. Babs hingegen sehnt sich nach ihrem Zuhause, einem kleinen Dorf fernab von der Großstadt. Doch als sie Miro kennen lernt, einen Gastarbeiter aus Jugoslawien kennen- und lieben. Langsam fängt sie an, ihr Heimweh zu verarbeiten.

Und Hanna findet auch eine Liebe. Der Musiker Peter kann ihr Herz erobern. Doch er ist ein Systemkritiker und zieht bald die Wut und Aufmerksamkeit der Staatssicherheit auf sich. Haben Hanna und Peter eine Chance?

Drei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, die aber etwas verbindet: der Wunsch auf ein eigenständiges Leben, auf die Liebe, auf Freiheit. Sie sind Freundinnen und helfen sich gegenseitig. Doch jede hat mit ihren Problemen und Sorgen zu kämpfen. Erfüllen sich die Wünsche der drei Frauen? Oder bleibt alles nur ein schöner Traum und sie bleiben in Ost-Berlin zurück?

Kati Stephan schafft es erneut, die Stimmung wunderbar einzufangen. Das Setting in Ost-Berlin ist belemmend, was sie sehr gut transportiert. Sie hat drei Frauen als Hauptprotagonistinnen gewählt, die unterschiedlich sind, sich aber alle nach etwas sehnen. Inmitten der DDR, inmitten von Unsicherheiten, leben sie ihr Leben und träumen von Glück, Liebe und Freiheit.

Besondes gefällt mir die Geschichte von Hanna und Peter. Ich mag den rebellischen Peter sehr, der die Regierung der DDR verachtet und sich ihr nicht fügen will. Die Liebe zwischen ihnen gerät bald zwischen die Fronten, denn die Stasi hat ihm ihm Auge und interveniert. Ist die Liebe stark genug?

Auch die Geschichte von Trudi hat mir sehr gefallen. Sie ist stark, hat den großen Wunsch, Ost-Berlin zu verlassen und wünscht sich die Freiheit des Westens. Sie hat Hoffnung und sie würde alles tun, um die DDR zu verlassen. Doch das ist nicht einfach und sehr gefährlich.

Babs ist eher die Sanfte unter den Freundinnen. Sie ist sensibel und hat Heimweh, kann sich kaum in das Leben in der Stadt gewöhnen.

Ich mag dieses Buch. Es schildert die Probleme, Sehnsüchte der Bewohner der DDR. Es geht um Träume, Hoffnung und Zerrisenheit. Um Liebe und Freundschaft.

Der Schreibstil von Kati Stephan ist einfühlsam, gefühlvoll und sie behandelt die Themen sehr respektvoll. Ein rundum gelungener, starker Roman.

 

Alexa Linell: BOX- Nimm dich in Acht vor dieser KI

Lust auf einen richtig gelungenen Thriller, der sich rund um KI und ihre (möglichen) Folgen dreht? Dann empfehle ich dir „BOX- Nimm dich in Acht vor dieser KI“

Juristin Veda ist in Trauer. Ihr Ex-Freund Danilo hat Suizid begangen. Doch daran will sie nicht so ganz glauben. Und ihre Ahnung wird bald mit Infos untermauert, die sie erhält und die Danilo vor seinem Tod recherchiert hat. Ferner geht es um eine Reihe von Kriminalfällen, die voller Geheimnisse und Unklarheiten steckt. Veda steht vor einigem riesigen Rätsel. Und sie kann es nicht alleine löse. Ihr zur Seite steht ihr Kollege Phillip, ein Anwalt und ihr engster Vertrauter, außerdem noch Talli, eine Kommissarin. Sie glauben Velda, dass Danilos Tod kein Selbstmord war. Und sie ermitteln und kommen bald zu einer ersten Erkenntnis:  Danilo war an einer großen Sache dran, eine Korruption, ausgeübt von angesehenen, mächtigen Hamburger Juristen. Und auf einmal stehen sie einem Gegner gegenüber, mit dem sie nicht gerechnet haben. Und er hat eine Erfindung getätigt, die alles verändern kann: BOX, eine KI der Extraklasse. Bedrohlich… so bedrohlich, dass Veda selbst bereits in größter Gefahr schwebt- und mit ihr Phillip und auch Talli…

Mein erstes Buch der Autorin und sicher nicht mein letztes. Sie hat es geschafft, mich komplett zu überzeugen. Und ich lese selten Thriller. Aber dieser hier hat mir großen Lesespaß bereitet. Was auch an dem exellenten Schreibstil liegt. Er ist flüssig, gut verständlich, aber extrem mitreissend und intensiv. Alexa Linell schafft es, perfekt Spannung aufzubauen und lässt mich trotzdem stellenweise im Ungewissen. Und genauso stelle ich mir den idealen Thriller vor. Intelligent, voller Verwicklungen, voller Tiefgründigkeit. Außerdem finde ich es großartig, dass das Thema KI kritisch behandelt wird, ich selbst stehe ihr eher kritisch gegenüber. Natürlich ist diese eine fiktive Geschichte.

Der Spannungsbogen, den die Autorin lange aufrecht erhält, ist wirklich sehr gelungn gespannt worden. Es gibt Momente, in denen ich einfach nur weiterlesen wollte, ich konnte das Buch eh nur ganz schlecht zur Seite legen. So sehr hat mich der Storyplott mitgerissen.

Klug, sehr spannend, mysteriös und einfach großartig!